Italien und Polen fehlen: Was das Scheitern der Europäer über den neuen Weltfußball verrät

Armin Schwarz
geprüft von René Müller | 3 Min. Lesezeit

Es ist eine der bemerkenswertesten Geschichten dieser Weltmeisterschaft – und sie spielt sich abseits des Rasens ab: Mit Italien und Polen fehlen zwei klangvolle europäische Fußballnationen beim Turnier in Nordamerika. Der viermalige Weltmeister Italien verpasst die WM erneut. Das ist kein Zufall, sondern ein Symptom. Ein Kommentar über die Verschiebung der Kräfte im Weltfußball.

Das Faktum: zwei große Namen fehlen

Beginnen wir mit dem, was unstrittig ist: Italien und Polen gehören nicht zu den 48 Teilnehmern der WM 2026. Für Italien ist es ein wiederholtes nationales Trauma – die Squadra Azzurra, immerhin viermaliger Weltmeister, verpasst damit erneut die größte Bühne des Sports. Für Polen bedeutet es das Ende einer Ära, die zuletzt von einzelnen Weltklasse-Spielern getragen wurde, ohne dass das Kollektiv den Sprung schaffte.

Europa stellt bei dieser WM 16 Mannschaften – drei mehr als noch 2022. Dass selbst bei dieser erhöhten Kontingentzahl Nationen wie Italien durch das Raster fallen, ist die eigentliche Pointe: Es liegt nicht an zu wenigen Plätzen, sondern an der Leistung auf dem Platz.

Warum das kein Zufall ist

Die europäische Qualifikation lief über zwölf Gruppen, aus denen sich nur die Gruppensieger direkt qualifizierten; die übrigen Tickets wurden über Playoffs vergeben, in denen schon mancher Favorit gestolpert ist. Genau dieses System bestraft Inkonstanz gnadenlos. Wer in der Gruppe einen einzigen schlechten Tag erwischt und den Sieg verpasst, ist auf das Playoff-Nervenspiel angewiesen – und dort entscheidet oft eine einzige Partie.

Das Muster dahinter ist größer als zwei Einzelschicksale. Die absolute europäische Spitze – die üblichen Titelkandidaten – ist so stark wie eh und je. Doch das europäische Mittelfeld, zu dem inzwischen auch ehemalige Schwergewichte zählen, ist dichter zusammengerückt und zugleich anfälliger geworden. Wenn dann noch ein modernes, kompaktes Pressing-Team aus der zweiten Reihe einen Lauf hat, reicht es für die großen Namen nicht mehr automatisch.

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Die andere Seite: der Aufstieg der übrigen Welt

Während Europa seine internen Verteilungskämpfe austrägt, profitiert der Rest der Fußballwelt vom neuen 48er-Format. Mehr Startplätze bedeuten mehr Nationen aus Asien, Afrika, der Concacaf-Region und Ozeanien – und diese Teams sind längst nicht mehr nur Statisten. Die Professionalisierung in vielen Verbänden, Legionäre in europäischen Topligen und moderne Trainerkonzepte haben das Niveau angehoben. Das Turnier wird dadurch bunter und unberechenbarer.

Für die Traditionsnationen ist das eine doppelte Herausforderung: Sie müssen sich nicht nur intern in einer stärkeren europäischen Konkurrenz durchsetzen, sondern treffen im Turnier auch auf Gegner, die man früher belächelt hätte. Die Zeiten, in denen ein großer Name allein für Respekt sorgte, sind vorbei.

Was das für die WM 2026 bedeutet

Das Fehlen von Italien und Polen ist deshalb mehr als eine Fußnote – es ist ein Signal. Die WM 2026 könnte das Turnier sein, bei dem sich die neue Kräfteverteilung erstmals deutlich zeigt: eine schmale europäische Spitze, ein verwundbares Mittelfeld und eine breiter werdende Weltspitze dahinter. Wer das ignoriert und allein nach historischem Renommee urteilt, wird überrascht werden.

Was wir nicht empfehlen

Aus dieser Entwicklung abzuleiten, man könne nun pauschal gegen europäische Favoriten oder für exotische Außenseiter wetten, wäre falsch verstanden. Die europäische Spitze bleibt das Maß der Dinge – sie ist nur nicht mehr so unangreifbar, wie das Renommee vermuten lässt. Seriös ist allein der nüchterne Blick auf Form, Kader und Auslosung des einzelnen Teams, nicht der Reflex auf den großen Namen oder gegen ihn.

Italien fehlt. Polen fehlt. Und der Weltfußball dreht sich weiter – nur eben schneller, als es manchem Traditionsverband lieb ist.


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Quellen: FIFA, eigene Recherche und Analyse (Stand 13.06.2026). Teilnehmerfeld und Qualifikationsmodus zum Redaktionszeitpunkt.

Armin Schwarz - Chef-Analyst & Sportwetten-Experte |
Armin Schwarz Armin Schwarz ist Chef-Analyst und Sportwetten-Experte bei Sportwetten24. Seit 2012 in der iGaming-Branche tätig, bringt er unter anderem drei Jahre Erfahrung als Quoten-Analyst auf Buchmacher-Seite mit. Sein Schwerpunkt liegt auf mathematischer Quoten-Analyse, Value-Betting-Strategien und systematischen Anbieter-Tests. Armin hat über 50 Sportwetten-Anbieter auf Quoten-Qualität, Margenstruktur und Limit-Politik geprüft. Er hält einen B.Sc. in Mathematik von der Universität Heidelberg und arbeitet von dort aus.
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